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Wollüberhosen selbst stricken

Das Wollschlupfhöschen kann man durchaus als den Klassiker unter den Stoffwindeln bezeichnen. Gerade bei Neugeborenen oder für die Nacht sind sie ein muckelig wärmendes und auslaufsicheres Basic-Teil, das mit vielen Arten von Saugmaterial kombiniert werden kann. 

Und hurra! Natürlich kann man seine Wollschlupf auch einfach selber stricken! 


Es hüpft mein Herz, wenn ich eine Sache entdecke, die man auch einfach selber machen kann. Natürlich wächst mit einem jeden solchen DIY-Projekt der Stapel der unvollendeten Projekte in die Höhe. Aber irgendwann mach ich es dann meistens doch und bin dann ganz begeistert, wenn es fertig ist und funktioniert.

Die selbstgestrickten Wollüberhosen sind so ein Projekt. Als Wickellösung für die Nacht hab ich von Anfang an gern Wollschlupfüberhosen genommen. Die kann man ja auch super selber nähen. Was mich aber am Nähen mit Wollstoffen generell einfach stört ist der Verschnitt, der beim Zuschneiden anfällt. Auch wenn man die kleinen Fitzelchen ja super sammeln kann und entweder für irgendwelche Patchwork- Projekte oder eben als Füllmaterial verwenden kann - mich überfordern diese (eigentlich ja wertvollen) Reste trotzdem regelmäßig. 

Ich hab mich also zuerst auf die Suche nach der passenden Wolle gemacht.

 

 

Mein erster Weg zum Wollladen war leider ein Flop. Die meisten konventionellen Garne sind nämlich superwash-behandelt und alle anderen waren ziemlich dünn.

Ich hab dann eine Weile im Internet gesucht, aber so wirklich glücklich war ich nicht mit meinen Funden. Ich hab die Wolle vor dem Kaufen einfach gern einmal in der Hand. Unabhängig von der Zusammensetzung gibt es einfach große Unterschiede was Flauschigkeit und Qualität betrifft. Viele kratzige Schurwollgarne kann man zwar durch eine Lanolinkur wieder schön kuschelig machen, aber eben nicht alle. Die Verarbeitung der Wolle und tatsächlich auch die Lebensumstände des Schafes haben einen großen Einfluss darauf, ob viele Härchen abstehen. Und diese wiederum sorgen dafür, dass die Wolle piekst. 

Auf dem Kunsthandwerkermarkt in Karlsruhe am Stand der Waldorfschule bin ich dann fündig geworden. Pflanzengefärbte, unbehandelte, ultraweiche Bio-Merinowolle. Yes!

Auswahl des Garns: Was du beachten solltest

  1. Die Faser: Der Begriff Wolle wird häufig als Oberbegriff für sämtliche Knäule genutzt, die man so im Wollladen findet. Für eine Windelüberhose ist aber die Zusammensetzung des Garns essentiell. Du brauchst für eine dichte Windelüberhose ein Garn aus reiner Wolle (Schafschurwolle, Lammwolle, Merinowolle). Ein Garn mit Baumwoll- oder Seidenanteil leitet die Feuchtigkeit aus der Windel nach außen leiten, das funktioniert nicht. Garne mit bis zu 20% Polyester- oder Acrylanteil können funktionieren. Hier ist es aber immer ein kleines Rätselspiel, ob die Hose letztlich - wenn das Kind mit seinem vollen Gewicht darauf sitzt oder liegt - nicht doch die Feuchtigkeit durchlässt. Das ist dann zwar ein hübsches Höschen, als Windelüberhose ist es aber nicht geeignet.
    Alpakawolle enthält (nach allem, was ich darüber lesen konnte) kein Lanolin und ist daher ebenfalls nicht für Windelüberhosen geeignet. Ich werde das bei Gelegenheit mal ausprobieren, ob es nicht doch funktionieren kann.

    Wichtig ist außerdem, dass die Wolle keine chemische Ausrüstung (superwash) hat. Bei dieser Behandlung wird die Wollfaser mit Kunstharz überzogen, damit sie beim Waschen nicht eingeht. Sie nimmt dann aber kaum Feuchtigkeit auf und das führt wiederum dazu, dass das Pipi einfach durch die kleinen Löchlein der Maschen austritt. Das verwendete Epoxidharz steht außerdem im Verdacht, krebserregende Eigenschaften zu haben und das muss dann wirklich nicht über Nacht in die Haut vom Sohn einwirken. Um auszuschließen, dass die Wolle behandelt wurde, wirf einen Blick auf das Waschsymbol auf der Banderole. Wenn hier nur Handwäsche oder sogar keine Wäsche erlaubt ist kannst du davon ausgehen, dass das Garn geeignet ist. Lediglich bei gemischten Garnen mit Kaschmiranteil kannst du nicht zu 100% sicher sein, da das Waschsymbol sich hier am Kaschmiranteil orientiert, der unabhängig von der Ausrüstung nur per Hand gewaschen werden darf. Es kann dann sein, dass der Wollanteil trotzdem superwash behandelt ist.

  2. Die Stärke des Garns ist entscheidend für die Arbeitsweise. Meine Wolle ist ein sogenanntes Dochtgarn, das aus einem einzelnen Faden versponnen wurde. Das macht sie extra voluminös und recht dick. Mit so einem Garn wird die Überhose easy dicht, man kann einfach drauf losstricken.
    Du kannst dir auch einfach das Flächengewicht deiner Wolle ankucken. Das Lanolingarn vom Finkhof z.B. hat ein Gewicht von ca. 100 gr /220 m und wird einfach gestrickt zu einer dichten Überhose. Bei dünnerem Garn würde ich dir empfehlen, mit zwei Fäden gleichzeitig zu stricken. Oder du strickst zwei gleich große Hosen, die du anschließend miteinander vernähst. Oder du strickst eine schicke Norwegerwindel und hast dann ohnehin mehrere Lagen Wolle. (Das muss ich dringend noch ausprobieren. Ach Mann, mein Tag braucht dringend ein paar Stunden mehr!)
    Wenn dir das Gewicht bzw. die Lauflänge des Garns nicht bekannt ist, kannst du vielleicht auch mithilfe der Maschenprobe herausfinden, wofür dein Garn geeignet ist. Stricke das 10x10 cm -Quadrat erstmal mit einem Faden. Hast du das Gefühl, du könntest mit Handschuhen aus diesem Material auch wunderbar eine Schneeballschlacht mitmachen, ohne dass dir die Finger abfrieren, müsste die Windel in der einfachen Variante dicht werden. Wenn es dir zu dünn dafür vorkommt, würde ich dir eine der anderen Varianten empfehlen. Man muss es halt einfach ausprobieren.

Ich teste mich mal nach und nach durch die Online besser verfügbaren Wollen. Sobald ich Ergebnisse in Form von konkreten Empfehlungen hab, ergänze ich das hier.

Die Modelle

Ach ja, das Internet. Ich hab so viele schöne kostenlose und auch kostenpflichtige Anleitungen gefunden. Wenn ich Zeit finde, werd ich nach und nach noch ein paar Weitere testen. Zuerst zeig ich dir an dieser Stelle aber mal zwei Modelle, die ich gestrickt und für toll befunden habe.

"Windelhose aus Wolle" von Ottobre Design

Die erste Anleitung, die ich ausprobiert habe. Sie ist als kostenloser Download im Ottobre Blog erhältlich.

Toll an der Ottobre-Hose finde ich, dass es keine Naht im Schritt gibt und dadurch auch keine potenziellen Maschenlöcher. (Wenn man wie ich die Stricknähte eher wild improvisiert kommt das schon mal vor...) Dafür hat man an der Vorderseite im Leistenbereich zwei Nähte. Das mag ich persönlich nicht so gern, tut der Funktionalität aber keinen Abbruch und bleibt trotzdem gemütlich, wenn man die Nähte schön flach näht.

Beim Stricken haben mich die Beinbündchen ziemlich herausgefordert. Mit der von mir berechneten Maschenzahl waren die für mein eher speckiges Kind einfach viel zu eng. Aber das ist ja das Schöne am Stricken. Läuft was schief, riffelste einfach alles wieder auf und machst es nochmal. Das hab ich hier halt dann so ungefähr 100 Mal gemacht, bis es gepasst hat. Ich hab die Maschen aus dem Beinausschnitt mit der Häkelnadel aufgenommen, das hat für mich am Besten geklappt. 

Die Anleitung gibt es für zwei Größen (0-8 und 10-24 Monate). Die Größere von beiden passt in der Höhe grade so noch über unser Nachtpaket (26 Monate). Die Höhe ist bei diesem Höschen insgesamt etwas knapp. Wenn du ein eher dickeres Nachtpäckchen drunter wickelst, kannst du das Bauchbündchen auch einfach doppelt so hoch stricken. Und es sollte - zumindest am Bauchbündchen - mit zusätzlichem Gummi gearbeitet werden, damit die Hose (wie bei meinem Modell) nicht zu stark ausleiert und dann rutscht. Es gibt auch ganz dünnes, transparentes Gummi, das man direkt mitlaufen lassen kann.
(Übrigens wird das Höschen eigentlich kraus rechts gestrickt. Ich mag es glatt aber lieber.)

"Naavakeijun Sipulipöksyt" by Heli Nurro (ravelry)

Als nächstes hab ich Ravelry nach einem Modell ohne angestrickte Beinchen und ohne Nähte durchforstet (weil ich das einfach nicht gern mache) und bin bei diesem finnischen Modell hängen geblieben. Es sieht auf den ersten Blick ziemlich fancy aus mit diesem mittleren krausen Teil, hat aber auf jeden Fall seine Stärken.

Die Anleitung ist ebenfalls kostenlos erhältlich und enthält fünf Größen für das Höschen. Nach meinem Dafürhalten passen die Größenangaben auch gut, sofern am Beinchen schön elastisch abgekettet wird.

An diesem Höschen liebe ich besonders, dass es an einem Stück gestrickt wird. Keine störenden (und in meinem Fall mehr oder weniger improvisierten) Nähte und kein Aufnehmen von Maschen aus dem Strickstück. Dafür muss man sich aber bei dem ständigen Musterwechsel und insbesondere bei den Zunahmen schon ein bisschen konzentrieren. Das Höschen ist also streckenweise eher nix zum mal-eben-nebenbei-stricken. Beim Umrechnen der Anleitung solltest du drauf achten, dass deine Maschenzahl durch vier teilbar ist, sonst verschieben sich das Ende und der Anfang des Rippenmusters (so wie bei mir) und es stoßen statt linken Maschen zwei weitere Reihen rechte Maschen an den Mittelteil. So richtige Perfektionistas könnte das durchaus stören. 

Dieses Höschen überzeugt mich im Handling total. Hinten und oben schön hoch, wärmt es auch die Nieren noch mit und lässt bezüglich Dichtigkeit auch keine Wünsche offen. Gleichzeitig gewährt es ganz viel Bewegungsfreiheit und sieht angezogen auch gar nicht so verrückt aus wie im Flatlay. Und wenn man die Zunahmen im ersten Teil geschafft hat, strickt es sich auch ganz bequem.


Genau wie gekaufte Strick-Windelhosen werden auch diese im vorderen Bereich durch die Benutzung nach und nach Verdichten. Das liegt an der Beschaffenheit der Wolle und der Bewegung deines Babies. Die Passform blieb bei diesen beiden Hosen trotzdem erhalten. 

 

Wenn du schon ein bisschen Strickerfahrung hast, kannst du dich auf jeden Fall auch an das Windelstricken rantrauen. Auch wenn ich total gern Windeln nähe, ist so eine gestrickte Hose einfach unschlagbar dehnbar und bequem.

Solltest du nach dem Lesen noch irgendwelche Fragen haben, schreib mir in den Kommentaren, auf meinen Social Media- Profilen oder per Nachricht. Ich helf dir gern, wenn ich kann.

Ich wünsch dir viel Spaß beim Stricken! 

Deine Maria.

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Kommentare: 4
  • #1

    Chris (Donnerstag, 23 Juli 2020 16:19)

    Hallo Maria, ich würde gern die Windelhose stricken, kann aber die Anleitung bei Ravelry nicht finden. Weißt du Rat?
    Liebe Grüße
    Chris

  • #2

    frau herrlich (Freitag, 31 Juli 2020 15:33)

    Liebe Chris, ich kann dir leider mit meiner aktuellen Kommentarfunktion nicht direkt antworten. Wenn du die Sipulipöksyt meinst, die findest du einfach über die Suchfunktion bei Ravelry oder auch über Google, wenn du den Namen direkt eingibst. Die Anleitung für die Ottobre-Hose findest du auf dem Ottobre-Blog.

  • #3

    Simone (Freitag, 16 Oktober 2020 15:05)

    Hallo, danke für deinen Eintrag - dadurch bin ich auf das finnische Strickmuster aufmerksam geworden und werde mich mal ans Werk machen. Ich habe Lanolinwolle mit 100g/220m - denkst du, ich sollte für eine Nachtüberhose das Garn doppelt nehmen? Ich habe etwas Sorge, dass die Hose dann vergleichsweise schwer wird...
    LG, Simone

  • #4

    frau herrlich (Freitag, 16 Oktober 2020 18:46)

    Liebe Simone, das Lanolin-Garn wird in der Regel einlagig dicht. Sichergehen kannst du nur, wenn du dir die Maschenprobe einmal anschaust. Wenn du richtig durch kucken kannst, würde ich dir empfehlen, dünnere Nadeln zu benutzen.