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Stoffwindeln waschen mit dem Guppy Friend

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Stoffwindeln mit Mikrofaser sind wunderbar weich, resistent gegen Flecken und bei richtiger Pflege auch langlebig. Ein wesentlicher Nachteil aber ist das Mikroplastik, das bei jedem Waschgang ins Grundwasser gelangt. Der Guppyfriend ist ein Wäschebeutel, der das Mikroplastik aus dem Waschwasser filtert und dadurch dessen Einfluss auf die Umwelt minimiert.

Ich hab ausprobiert, ob er sich auch für die Stoffwindelwäsche eignet.

 

Eine wichtige Information vorab: Der Guppyfriend sollte nach Herstellerangaben nicht heißer als 40°C gewaschen werden. Das reicht für die regelmäßige Wäsche von Stoffwindeln aber nicht. Ich habe den Test bei 60°C Koch-/Buntwäsche durchgeführt.


Das Problem mit der Mikrofaser

Stoffe aus Polyester verlieren bei jedem Waschgang einen kleinen Teil ihrer Fasern, die über das Abwasser in die Umwelt gelangen. Das Mikroplastik gelangt so auch in den Nahrungskreislauf von Tieren und Menschen und richtet dadurch einen irreversiblen und noch nicht komplett absehbaren Schaden an.

Bei Stoffwindeln wollen viele Eltern trotzdem ungern auf die guten Eigenschaften von Plastikfasern verzichten. Manche schätzen das trockene Gefühl, das dem Baby durch einen Fleeceliner vermittelt wird. Für Eltern ohne Trockner sind der Kuschelfaktor und die kurze Trocknungsdauer der Chemiefaser wesentliche Argumente.

Da Stoffwindeln wirklich häufig gewaschen werden und zudem bei der Wäsche im Koch-/Buntwäsche-Programm nicht gerade sanft behandelt werden, wird durch Stoffwindeln mit Mikrofaseranteil bei jeder Wäsche ein bisschen Mikroplastik in die Umwelt gespült. Glatte Oberflächen wie zum Beispiel PUL-Überhosen geben dabei weniger Fasern frei als angerauhte, hochflorige Fleece-Oberflächen.

Wie funktioniert der GuppyFriend?

Der GuppyFriend ist eine weiße Tasche aus einem ganz fein perforierten Polyesterstoff. Er fühlt sich so ähnlich an wie Zeltstoff. Die Anwendung ist genauso simpel wie bei einem anderen Waschbeutel. Die Klamotten oder Windeln werden hineingesteckt, der Reißverschluss zugezogen und alles kommt in die Waschmaschine. Durch die Verarbeitungsweise gibt der Guppy Friend selbst kein Mikroplastik beim Waschen ab, lässt aber auch keine abgelösten Fasern raus. Was sich an Fasern im Beutel angesammelt hat, kann nach dem Waschen herausgenommen und fachgerecht im Plastikmüll entsorgt werden. Wenn er neu ist, fühlt er sich glatt und weich an. Mit jeder Wäsche wird er etwas faltiger und steifer (siehe Fotos).

 

Der Guppyfriend kostet 30-35 € und ist bisher in Größe M (50 x 74 cm) erhältlich. An größeren Größen arbeitet die Firma noch. Wie du auf dem Bild rechts sehen kannst, passen in den eingewaschenen Beutel etwa drei bis fünf Onesize-Windeln.

GuppyFriend und die WIndeln

Für die Stoffwindeln sind zwei Aspekte wesentlich, die mit dem Guppyfriend funktionieren sollten:

  1. Die Windeln müssen optimal durchgespült werden. Im Vorspülgang wie auch im Hauptwaschgang muss das Waschwasser wie auch das Waschmittel und alle Komponenten (Sauerstoffbleiche) gut an die Wäsche gelangen. Andernfalls bleiben Rückstände von Urin und Waschmittel im Stoff und die Windeln fangen an zu riechen.
  2. Die Stoffe sollten geschont werden. Für eine gute Ökobilanz beim Stoff-Wickeln ist es wesentlich, dass die Windeln lange halten. Wäre das nicht der Fall, müsste zu früh nachgekauft werden und das ist teuer und unnötig.

Und für den Guppyfriend wünsche ich mir: 
Der Beutel sollte robust sein. Dreißig Euro sind viel Geld und es wäre schade, wenn er wirklich nur die vom Hersteller getesteten 50 Waschvorgänge aushält. Da würde für mich persönlich die Bilanz nicht stimmen. Wenn er kaputt ist, kann der Guppyfriend zwar ohne Probleme entsorgt aber leider nur bedingt recycelt werden (siehe Homepage von Guppyfriend).

Meine Beobachtungen

Ich habe den Guppyfriend in zwei Etappen einmal mit Flüssig- und einmal mit Pulverwaschmittel getestet. Dabei konnte ich Folgendes beobachten:

Ausgelöste Fasern im Guppyfriend
Ausgelöste Fasern im Guppyfriend

1) Leider hatte ich mit meinen im Guppyfriend gewaschenen Nachtwindeln (EcoPosh von Rumparooz sowie PUL-Überhosen) recht schnell ein Geruchsproblem. Normalerweise riechen meine Windeln nach der Wäsche einfach nach nichts, eben neutral. Die Windeln im Guppyfriend rochen aber schon noch leicht nach Pipi oder Lauge. Diesen Geruch kannte ich von meinen Wasch-Anfängen, als ich die Maschine zu voll beladen hatte. Er ist ein deutliches Indiz für eine schlechte Durchspülung der Wäsche. Wenn man in den Guppyfriend einfach mal oben Wasser reinschüttet, wird auch deutlich, warum: die Membran verzögert den Wasserdurchfluss ganz leicht. Ich schätze mal, dass diese Nuance in Kombination mit meiner wassersparenden Waschmaschine bei meiner Stoffwindelwäsche den entscheidenden Unterschied gemacht hat. Mit Flüssigwaschmittel habe ich etwas weniger Geruch beobachtet.

 

2) Ich konnte im Guppyfriend kaum Textilfasern finden, die ich hätte entsorgen können. Vielleicht liegt es daran, dass meine Windeln schon des Öfteren gewaschen wurden, bevor sie im Guppyfriend landeten. In den FAQ auf der Herstellerseite wird diese Beobachtung jedoch ebenfalls beschrieben und darauf hingewiesen, dass das ganz normal ist und es ja schließlich auf jede noch so kleine Faser ankommt. Außerdem ist der Guppyfriend so beschaffen, dass er den Faserabrieb verringert.

 

3) Bereits nach 5 Wäschen hatte ich echt mit dem Reißverschluss zu kämpfen. Er wurde von mal zu mal schwergängiger. Zuletzt hatte ich das Gefühl, ich würde ihn vermutlich bald versehentlich abreißen, wenn ich noch fester ziehen müsste. Ob der Reißverschluss diese Behandlung weitere 45 vom Hersteller prophezeite Wäschen aushalten wird, bleibt abzuwarten. 

Mein Fazit

Der Guppyfriend ist eine tolle Sache, wenn:

 

  • Du pro Windelwäsche bis zu 3 Höschenwindeln oder All-in-Ones mit dem Guppyfriend waschen möchtest. Dies ist der Fall, wenn du beispielsweise Kita-Windeln, Fleeceliner oder Pocket-Höschenwindeln mit Mikrofaser verwendest. Für größere Ladungen bräuchtest du dann entsprechend mehrere Guppyfriends in einer Waschmaschine. Davon würde ich allerdings abraten.
  • Du neue Windeln oder Einlagen mit Mikrofaserschicht außen wäschst. Ein neues Produkt gibt bei den ersten Wäschen deutlich mehr Fasern ab, als bereits häufig gewaschene.
  • Du eine Wasser-Plus-Taste an deiner Waschmaschine hast. Viel Wasser ist bei der Stoffwindelwäsche ohnehin wichtig, beim Waschen mit dem Guppyfriend könnte es die Lösung für das bei mir beobachtete Geruchsproblem sein.
  • Dich der zusätzliche Arbeitsschritt Guppyfriend beladen und Guppyfriend öffnen um ihn wieder zu leeren nicht stört. Gerade Letzteres hat mich wegen des Reißverschlusses bald ziemlich angenervt.

Wer auf Polyester in Stoffwindeln gar nicht verzichten kann oder mag, für den ist der Guppyfriend unter den beschriebenen Bedingungen eine tolle Möglichkeit, um die Weltmeere am Leben zu erhalten. Mittlerweile gibt es auch einige alternative Forschungsprojekte, die an einer anderen Stelle ansetzen: Spezielle Plastik-Filter können direkt an den Abwasserschlauch der Waschmaschine angebracht werden und filtern hier die schädlichen Partikel heraus. 

Du solltest jedoch immer bedenken, dass die Wäsche nur eine Dimension des Problems mit Synthetik-Stoffen ist. Schon bei der Produktion der Textilien sowie bei deren Verarbeitung fällt jede Menge Mikroplastik an, das in den wenigsten Fällen ordnungsgemäß entsorgt und recycled werden kann. Windeln aus Naturmaterialien sind immer die bessere Wahl für saubere und gesunde Meere und Ökosysteme und können, wenn sie alt und grau geworden sind, größtenteils biologisch abgebaut werden. Wenn sie dafür nicht viel zu hübsch wären. ;)

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